interview - zur veröffentlichung des "still air"-albums ....
mein absoluter lieblingssong auf dieser scheibe ist jedoch "uninhabited" (wurde auch beim letzten <a href="[
members.aon.at]; target="_blank">[
members.aon.at]; gespielt *ggg* - immer diese werbefritzn *tststs*).
habe mir das interview damals downgeloaded, weil ich "private" interviews (also nicht von irgendwelchen großzeitschriften) bevorzuge ... hier das ganze ....
DH: Im Januar diesen Jahres wurde Euer neues
Album "Still air" veröffentlicht. Ich hatte den
Eindruck, daß niemand hier in Deutschland Eure
Veröffentlichung bemerkt hat. Es gab nur einige
wenige Reviews und Hinweise in einigen
Katalogen, aber keine weiteren lesbaren
Informationen über "Still air". In den größeren
Szene Magazinen gab es keine Interviews mit
Kirlian Camera, daher würde ich gerne wissen, ob
Ihr "Still air" still und leise veröffentlichen
wolltet - ohne viel Action oder ob Ihr glaubt,
dass hier niemand der Veröffentlichung
Aufmerksamkeit schenkt?
KC: Nun ... ehrlich muss ich zugeben, dass ich
keinen großen Unterschied zwischen heutigen und
vergangenen Promoaktivitäten feststellen kann,
obwohl es wahr ist, daß es seitens der Medien seit
1999 ein gewisses Schweigen gibt, ungefähr
genau zu dem Zeitpunkt als eine große Kampagne
gegen KC begann. Unsere Hörerschaft ist heute
ein bißchen größer als in der Vergangenheit, aber
Managements, Labels und Magazine
konnten wenig darauf Acht geben, da sie ihre
politisch korrekten Attitüden den verschiedenen
Rechtspersonen drumherum beweisen wollten.
Um mal ein Beispiel zu nennen ... Die gesamte
Europa-Amerika Tour wurde wegen diesem
Problem gecancelled genauso wie alle anderen
geplanten Gigs. Allen anderen Bands wird mehr
oder weniger erlaubt zu spielen ... auch
Naziskinbands wird es manchmal gestattet live
aufzutreten: UNS NICHT!!! Einige
antifaschistische Organisationen haben offiziell
ihre Anschuldigungen zurück genommen,
vielleicht erkennend, daß niemand von uns in
irgendwelche politischen Aktivitäten involviert ist,
aber ... das ist nicht genug, so scheint es. Der
Grund, warum dies passiert ist ganz klar, ich
denke: wir haben keine Freunde außer einigen
"einsamen Wölfen" und genau wie diese möchten
wir weder Teil irgendeiner Gruppe, einer Partei,
Gesellschaft noch eines Club sein. Das ist KEINE
snobistische Haltung: das ist der schreckliche
Lohn. Einige "Tapfere" versuchen uns eine
Chance zu geben, so daß es scheint, daß es uns
dieses Jahr gestattet wird, zwei Gigs in
Mitteleuropa zu machen, welch Ehre! Ich meine
nur eine Sache: es gab eine große Promotion-
aktivität für KC ... das einzig schlechte
daran ist, daß die Aktivität gegen uns gerichtet
war! Manche sagen solchen Mist wie "Promotion
ist Promotion: egal ob sie negativ ist ...". Nein,
das ist nicht wahr, da eine WIRKLICH negative
Kampagne ausreicht eine Band zu zerstören.
Natürlich ist das nicht genug uns zu zerstören.
DH: Diese Veröffentlichung gibt es nun auch schon
ein paar Monate, daher würde es mich
interessieren, wie das Album bei der Hörerschaft
angenommen wurde. Wie waren die Reaktionen
und Kritiken für "Still air"?
KC: Die Kritiken waren hauptsächlich sehr positiv
und manchmal haben die Jounalisten geschrieben,
dass dies unser bestes Album sei, das wir je
geschrieben haben - genauso wie die "Absentee
EP" unser bestes Minialbum sei. Unsere
Hörerschaft scheint unzweifelhaft sehr zufrieden,
aber ich wiederhole ... jemand fing an damit, daß
uns zu hören "zu unkorrekt" sei, daher sind die
Schäden augenscheinlich. Ein Teil der
Musikpresse ist offen und UNZWEIFELHAFT
gegen uns. Kein Weg da raus ... wir können die
beste Musik veröffentlichen, die Menschen je
gemacht hätten, aber es gibt keine Chance ohne
Vorurteile gehört zu werden. Musik zu machen ist
für uns ein wahrer Akt von Aufrichtigkeit und
Liebe, daher passiert es manchmal, dass jemand
irgendwo dazu bereit ist dies zu akzeptieren, aber
das ist nicht so oft.
DH: Was sind die Themen der Gesangstexte bei
"Still air"?
KC: Die Gesangstexte handeln von meinem letzten
Jahr, über den Albtraum und seinen quälenden
Beginn. Es war keine schöne Zeit. Die Lyriks
betrachten diesen Zeitabschnitt ohne Gnade; ich
versuchte meine Zeit zu analysieren
... da die ganze Situation, in der ich lebe sehr
unerklärbar ist, und ich nicht erfolgreich sein
konnte, mich darauf zu konzentrieren, da es
ungewöhnliche Elemente beinhaltet. Die
Songtexte handeln über diesen Delirium-artigen
Moment ... Ich dachte mehr als 40 Jahre alt zu
sein könnte eine gute Schutzmauer gegen
Albträume sein, wegen der Erfahrung und
Rationalität, aber... manchmal passiert es,
daß unerwartete Ereignisse jemand zu weiteren
gefährlichen Grenzen führen, die nicht erwartet
werden.
DH: Was kannst Du uns über "Still air" sagen? Wie
lange dauerten die Aufnahmen? In welchem
Studio hast Du das Album aufgenommen und
gemixt?
KC: Die Aufnahmen dauerten ein Jahr. Emilia, Elena
und ich nahmen die Basis der Songs in Parma und
in der Toskana auf, in unseren Wohnungen,
Patrick Leagas nahm in Liverpool auf. Dann
kopierten wir die Sounds und mixten sie im Ivano
Bizzis Studio.
DH: Wenn Du komponierst, brauchst Du eine
gewisse Atmosphäre im Studio um in die richtige
Stimmung zu gelangen?
KC: Ja, absolut ... und vor allem, kein lästiger
Mensch ist willkommen. Das Studio muss sehr
entspannend und ruhig sein, da wir genug Stress
haben: kein Grund ihn noch zu steigern. Die
Beziehung zwischen uns in diesen Situationen ist
sehr nett aber manchmal gibt es unvermeidbare
Spannungen, da ich ein wenig fordernd bin, denke
ich.
DH: In diesen Tagen wurde Eure neue EP
"Absentee" veröffentlicht Was bedeutet der Titel
"Absentee"? (Denkt Ihr da an ein berauschendes
Getränk?)
KC: Es bezieht sich auf jemand, der irgendwie um
Dich herum oder in Deiner Nähe ist, aber Du
keinen Erfolg dabei hast ihn/sie zu sehen. Es ist
einfach der Gedanke der Trennung, der Gedanke
von jemand getrennt zu sein, den Du liebst, den
Du grenzenlos liebst, aber vielleicht wirst Du
diesen Menschen nie mehr sehen. Die Art einer
Beziehung zwischen Dir und jemand der weit weg
von Dir ist, und tot. Die wichtigste Person, die du
jemals gekannt hast, verloren für immer. Ein
bißchen traurig ... entschuldige.
DH: Was kannst Du uns über die drei Songs der EP
sagen? Passten sie nicht mehr auf "Still air" oder
wurden diesen Songs komponiert nachdem "Still
air" bereits veröffentlicht war und mussten noch
veröffentlicht werden?
KC: Die verschiedenen unveröffentlichten Songs auf
die Du Dich beziehst, wurden zu einem späteren
Zeitpunkt komponiert, ein paar Tage bevor
STILL AIR das Licht erblickte, daher war es
unmöglich sie mit auf das Album zu packen. Wie
dem auch sei, ich denke es ist besser so, denn die
neuesten Songs haben eine leicht andere
Atmospäre als die des Albums. Die "Absentee-
EP" ist viel mehr als ein Appendix zu "Still air",
aber eine sehr vom Herzen her gefühlte Arbeit,
nicht so total unabhängig von seinem "großen
Bruder". Die Tage, in denen wir das Mini-Album
aufnahmen waren eigentlich sehr intensiv und
besonders ... "unvergesslich" sollte ich sagen.
DH: Woher nimmst Du die kreative Energie
permanent an neuen Songs zu arbeiten? Hast Du
manchmal ein Gefühl kreativer Leere oder war
das nie ein Problem für dich?
KC: Mir ist niemals geholfen worden durch meine
Krankheit, die sich "Temporal Lobe Syndrome"
nennt. Diese besondere Form der Epilepsie
gibt einem sehr oft kreative Inputs, da das
"Temporal Lobe" (zu deutsch: temporaler
Lappen) die Region ist, in der sich u.a.
die Kreativität befindet. ... Wie dem auch
sei, abgesehen von den blutigen Geschichten muss
ich sagen, dass ich ein Sonderleben führe, daher,
unglücklicherweise, kommen die Anreize
kontinuerlich ohne Pause, und, glaube mir,
manchmal ist das nicht so spassig. Es gibt in mir
ein großes Verlangen danach mit dem Forschen
fortzufahren, in mir ... und es zu vermeiden alte
Wege neu zu recyceln., da ich eine wirkliche
Notwendigkeit darin sehe auszudrücken was ich
fühle und sehe, unter Benutzung verschiedener
Sprachen, die ich mir meiner eigenen mixe,
verschiedene Sprachen, die ich tief in mir kenne,
denke ich, mit der Fähigkeit in mir eine Balance zu
finden, wenn nur möglich. Eine einfache Analyse,
könnte man denken.
DH: Es scheint mir, daß Ihr keine Pausen macht und
nun ist ein Buch veröffentlicht worden, das den
Titel "Kälte Container" trägt und auch ein Remix
Album. Hast Du schon vor langer Zeit die Idee für
dieses Buch gehabt oder war es eine spontane
Idee es zu veröffentlichen? Wie wichtig ist dieses
Buch für Dich und warum wurde es nur in so
einer geringen Auflage (3000 Exemplare)
veröffentlicht?
KC: Dieses Projekt ist nicht strikt anzusehen als ein
KC Projekt, tatsächlich ist es nur eine Idee des
Labels mit dem wir seit dem letzten Jahr
zusammenarbeiten. Sie haben uns gefragt ob wir
zustimmen würden, wenn sie ein offizielles Buch
über uns veröffentlichen, das war vor drei Jahren,
und , seitdem sahen sie sich sehr interessiert
und involviert in unsere Musik, wir akzeptierten.
Dann fragten sie uns, ob wir die Idee mögen
würden, remixt zu werden oder gecovert zu
werden von anderen Bands, um ein mögliches
CD-Album dem Buch hinzuzufügen, und wir
antworteten, daß wir über eine Akzeptanz nicht so
sicher waren, aber sie hatten einige gute Lösungen
und Vorschläge, sodaß wir am Ende mit Freude
zustimmten. Es ist kein wirkliches Tribut-Album,
da das eigentliche Tribut-Album im nächsten Jahr
über ein deutsches Label erscheinen soll, jedoch
weiss ich noch nicht soviel darüber. Bezüglich
"Kälte Container" muss ich sagen, daß wir es
ohne Zweifel alle mögen, da einige Neuinter-
pretationen wunderschön klingen und ein
wirkliches feeling haben. Wir kümmerten
uns nicht über die Graphiken und das globale
Konzept; wir gaben nur eine helfende Hand bei
der Kontaktaufnahme zu einigen Künstlern,
die an dem Projekt beteiligt sind. Es gibt
nur 3000 Exemplare der Standardbuch+CD Ausgabe
- wie ich es dachte mochte das Label es nicht
einen Standard Deal durchzuführen ... aber
am Anfang waren auch 998 Boxen erhältlich,
die eine zusätzliche CD, Poster und ein
T-Shirt beinhalteten. Sie sind nun ausver-
kauft, aber die Digipak-CD ist immer noch
erhältlich. Vielleicht, wenn weiteres
Interesse zu diesem Projekt besteht, könnte
das Label entscheiden zusätzliche Exemplare
auf Vinyl, die dann einige weitere Gruppen
beinhalten, aber ich bin mir da nicht
sicher ... wir haben dieser Version noch nicht
zugestimmt, bis jetzt. Wir werden sehen ...
DH: Ist die Remix CD nur erhältlich mit dem
Sampler oder wird das Album erhältlich sein ohne
das Buch?
KC: Die Standard CD ist nun als Digipak
erhältlich, wie ich schon sagte, aber die
zusätzliche MCD "Der Blaue Container", die in
der Box-Version erhätlich war, wird nicht mehr
veröffentlicht.
DH: Wie kam es zu der Idee eines Remix-Albums?
Welcher Remix auf der CD ist Euer Favorit?
KC: Einige der Tracks sind Remixes und einige
sind nur Coverversionen. Jede Band konnte frei
entscheiden, was sie tun mochte. ich muss ehrlich
sagen, daß ich alle Versionen, die die Arbeit
umschliessen, mag, da die Tracklist das Ergebnis
einer Auswahl ist bei der - trotz Ausschluss
einiger - sich sehr schöne Bands finden. Eine total
unbekannte Band wie Zosma beeindruckte mich
sehr, da ihr "Helden Platz" Sound frisch und gut
gemacht klingt, abgesehen davon, falls es einen
interessiert, waren sie die ersten die das Master
uns damals brachten. Es sind zwei Italiener und
eine Kanadierin. Die Sachen von Wumpscut,
Naevus, Sword Volcano Complex und Shining
Vril schätze ich sehr. Die Versionen von Andrew
King und Leutha auf der speziellen MCD sind
ohne Zweifel originell, und die elektronischen
Programmierungen von Sixth Comm,
Manipulation und T.A.C. sind großartig. Auch die
Version von Allrseelen ... und, im allgemeinen
auch all die anderen. Ja, zu sagen, was mein
Lieblingssong sein so, ist wirklich sehr schwer, da
ich nochmals wiederhole, daß die Songs
ausgwählt wurden unter mehreren Vorschlägen.
Ich würde gerne einen Punkt deutlich machen: es
gibt eine Band auf der Spezial-CD, die sich in der
Box befindet, die sich "Ultima Thule" nennt, aber
das ist unkorrekt, da der eigentliche Name der
Band "Ultima Thule N" ist, nicht zu verwechseln
mit ähnlich-sich nennenden Bands.
DH: Ist es nicht ein komisches Gefühl seine eigenen
Songs in anderen Versionen zu hören? Siehst Du
Deine Songs in einem solchen Fall von einem
anderen Standpunkt aus?
KC: Ja, manchmal klingen einige Versionen sehr
seltsam, besonders die von Collection DArnell-
Andrea, Naevus und Zosma, aber ich mag ihre
Interpretationen sehr, da sie etwas originelles
haben und einen wirklich klassischen Touch, der
nicht so gewöhnlich ist, auch im Underground.
Dieses Album ist oft in meinem CD-Player, da es
für mich wie eine feine und nicht langweile
Compilation klingt. Ich denke nicht, daß es sich
um altes Zeug handelt: alle Bands haben
großartige Sachen gemacht. Der einzige Song,
den ich schlecht finde ist Kirlian Cameras "Blue
Room", stimmst Du mir zu?!?
DH: Habt Ihr nach den Musikern gesucht, die die
Songs remixt haben oder wie war der Kontakt
entstanden?
KC: Die meisten Bands wurden vom Label damals
vorgeschlagen, dann fügten wir einige Namen
hinzu wie Sixth Comm, Wumpscut, Leutha,
Zosma, etc... und beaufsichtigten alles mit dem
Labelmanager Massimiliano Medagli über mehr
als ein Jahr.
DH: Gibt es ein gewisses Ziel, das Ihr mit Eurer
Musik zu erreichen versucht?
KC: Das wir Musik machen ist eine Art Therapie,
um zu vermeiden ständig in Kontakt mit der
Aussenwelt zu stehen. Wir haben schon genug mit
ihr zu tun ... Musik zu machen ist wie eine
Wohnung sauber zu halten oder
Kleider und Servietten auf den Tisch zu legen -
auch wenn Du alleine bist, um manchmal auf
schreckliche Träume und Erinnerungen zu warten.
Mit ihnen zu sprechen umgeben von einer armen
aber "reinen" und stillen Umgebung . Musik zu
machen ist die letzte verzweifelte Chance sich zu
selbst zu konzentrieren auf unpassende oder
"besondere" Sachen, der Versuch darüber zu
sprechen ... über die unaussprechbaren Themen,
die gewisse nennenswerte Reserve oder Scham
leugnen um sie zur Erleuchtung zu führen.
DH: Ohne jede Frage sied ihr in Deutschland sehr
populär, aber wie populär sind Kirlian Camera in
anderen Europäischen Ländern und außerhalb von
Europa?
KC: Deutschland ist vielleicht das Land, welches
uns am meisten schätzt, aber auch in einigen
anderen Ländern hören die Leute uns, besonders
in den Russischen Gebieten, Italien, Frankreichh,
Schweiz, Benelux und Ost Europa im
allgemeinen. Auch in den USA und Kanada
passiert einiges, aber global muß ich zugeben, daß
viele Leute uns überall versuchen totzuschweigen,
überall in der Welt. In Deutschland auch,
unglücklicherweise.
DH: Ihr seid immer angeklagt worden mit dem
Nationalsozialismus zu sympathisieren. Ist es nicht
sehr ermüdend sich selbst immer und immer wieder zu
rechtfertigen und korrekte Sachen zu sagen, aber
manche Menschen verstehen es nicht?
DH: Es gibt nicht genug Worte, die erklären
könnten wie stark die Kampagne gegen uns
gewesen ist. Die Leute wissen gar nicht alles. Es
ist wahr, daß in der letzten Zeit manche ihre
Anschuldigungen zurücknehmen, aber die
Situation bliebt die gleiche. Alle anderen Bands
treten überall in der ganzen Welt auf, geben
oftmals irgendwelchen Mist von sich und hetzen
ihr Publikum dazu auf sich wie Idioten zu
verhalten ... Uns wird es nicht erlaubt live zu
spielen, auch wenn es ultra-extremistischen
Gruppen gestattet wird! Jeder stöhnt, wenn
irgendeiner Tourdaten cancellet wegen
Problemen der öffentlichen Ordnung. ... Unsere
Tour wurde KOMPLETT GECANCELLED!!!!
Wir versuchen auf die Bühne zurückzukehren, es
mit unserer ganzen Stärke zu versuchen unsere
Publikum wiederzusehen ... Wir werden das Beste
tun, was wir können und auch mehr. Wir
versuchen gegen etwas zu gewinnen, was so
stark und so überwältigend ist. Wir riskieren
es jede Veröffentlichung und jegliches Bemühen,
das wir über all die Zeit hinweg hatten, zu
verschwenden - selbst unsere Gesundheit.
Es ist schwer ... Dieser Moment ist wirklich sehr
schwer zu ertragen. Ich möchte nicht mehr
hinzufügen, da irgendwo irgendwer sicher
erkennt, was ich meine.
DH: Was denkst Du, warum wird Kirlian Camera
in die rechte Ecke gedrängt? Habt Ihr mit diesem
Vorurteil nur in Deutschland zu kämpfen oder
dies auch so in anderen Ländern?
KC: Ich denke Benelux ist die schlechteste Gegend
für uns Unsere Hörerschaft versucht uns seit
Jahren dorthin zu bewegen, aber es scheint, daß
die örtliche Polizei diese Idee nicht mag, auch
wenn es dafür dort keine bestätigung gibt. Das ist
absurd. Es gab niemals irgendwelchen Krach
während unserer Shows !! Kein Kommentar, sage
ich. Andere Länder fangen damit an uns Geschrei
entgegenzubringen, darunter ist auch Italien. Es ist
unerklärbar.
Wir haben niemals die Dinge getan, denen wir
angeklagt werden, Ich muß mich entschuldigen für
das soundsovielte Mal. Auch Musikbands sagen
nun Mist über uns, nur um armselige Propaganda
daraus für sich zu gewinnen. Was für ein Haufen
von Heiligen und Hi-Quality Gehirnen!!! Ich
möchte sie alle sehr gerne GIGABRAINS
(Riesenhirne) nennen!!! "Thanks pigs (Danke Ihr
Schweine)", wie ich es bereits schon von 2 Jahren
auf einem Album gesagt habe...
DH: Ich würde Dir nun noch gerne ein paar
persönliche Fragen stellen. Zunächst würde ich
gerne wissen, was Du ( Angelo Bergamini) tust,
wenn Du nicht für Kirlian Camera arbeitest. Wie
sieht Dein normaler Tag aus?
KC: Wenn ich Freizeit habe, dann streite ich mit
den Leuten unten in der Strasse, ah, ah, ah!!!
Scherz beiseite, ich liebe es Filme zu sehen, oder
einfach die Wände eines Raums zu betrachten,
alles vergessen zu versuchen, vergeblich.
Manchmal mag es einfach über etwas
nachzudenken. Es muß nichts besonderes sein. Ich
mag es nicht meine Zeit mit anderen Menschen zu
verbringen und vermeide wenn möglich überfüllte
Plätze ... aber es scheint
es ist nicht so möglich, besonders wenn man nicht
reich genug ist sich einen Platz zu kaufen, der
seine Bedürfnisse erfüllt. Ich bin es gewöhnt nicht
so viel zu schlafen, aber ich verspreche früher
oder später werde ich sehr viel schlafen, so gebe
ich mehr Spass den Arschlochgesichtern, die ich
überall sehe. Die ganze Welt besteht aus 3 "F"s:
fun, fucking und farting (Das ist der Grund warum
wir am leben sind, ich könnte schwören, richtig?
Bin ich nun geistig gesund? Wird es mir jetzt
erlaubt live zu spielen? Bin ich nicht genauso
gleich wie all die anderen Babies???)
DH: Erinnerst Du Dich an Kirlian Camera das erste
Mal auf der Bühne? Welche Erinnerungen hast Du
daran?
KC: Ja, es war ein Delirium, wie gewöhnlich. Es
war ein "Gay Pride Day" : wir begannen damit
eine Art von Beerdigungsmarsch zu spielen
angefüllt mit störenden-frequenten Geräuschen,
alle in schwarz gekleidet, ah, ah, ah!!! Das
Publikum begann uns zu beschimpfen und schrie
so laut, da sie uns nicht länger auf der Bühne
haben wolten. Es war ein blutiges Chaos. Wir
setzten die Performance zeitweise aus und es
begann eine Art von Streit zwischen Teilen des
Publikums: die einen wollten uns wieder auf der
Bühne und die anderen fuhren damit fort zu sagen,
daß wir ein Bündel von Paranoiden ohne
Hoffnung seien, vielleiht mit einem gewissen
Grund. Am Ende rief uns das ganze Publikum
wieder auf die Bühne, aber wir akzeptierten die
Einladung nicht: "zu spät", sagte ich. Ich hatte
keinen großen Sinn für Humor, zu dieser Zeit ...
DH: Wie gestaltete sich Dein erster Kontakt zur
Musik?
KC: Ich lebte in einer großen Stadt, die sich Turin
nennt. Ich hatte überhaupt keine Freunde. Mein
Vater hatte einen kleinen unprofessionellen
Recorder ... Ich begann Känge aufzunehmen,
meine Worte, Klänge von einer zerstörten
akustischen Gitarre. Es war so 1967-68.
DH: Kannst Du Dir vorstellen, was Du tun
würdest, wenn Du nicht Kirlian Camera gegründet
hättest?
KC: Nein, ich kann mir nichts ähnliches vorstellen,
da ich es mir wünschte das zu tun, und so tat ich
es. Was konnte ich sonst tun...?!? Wer weiß ...
vielleicht Nachtportier, oder ein kleines
Restaurant eröffnen... Ich mag
Essen und besonders gute Weine ... Ja, ein leeres
und verlorenes Restaurant umgeben von Schnee
und Bäumen. Mmmmhhh, hört sich nicht nach einem
so großen Geschäft an, wenn man es geldmäßig
betrachtet ... mehr oder weniger wie die Musik,
egal!
DH: Existiert eine Person, die Du einmal
kennenlernen möchtest?
KC: Da gibt es etwas, was viele Leute nicht
wissen... Ich habe es mir immer gewünscht jemand
ganz besonderes zu treffen, aber immer wenn ich
exakt "dieser" Person näher kam, zerstörte meine
aufkommende Schüchternheit
de Anstrengungen, die ich unternahm um diesen
Augenblick zu erreichen. Ich hatte nur damit
Erfolg,wenn andere Leute dabei waren, so daß
dem Ereignis weniger Spannung innerwohnte.
Mehrfach vollzog sich die Zusammenarbeit, die
ich hatte mit anderen Künstlern hatte, tatsäch-
lich via "mail", jedes direkte Treffen vermeidend.
Ich bin nicht so schüchtern, in Wirklichkeit,
aber ich bin nervös, unter Stress, daher möchte ich
niemanden mit meinen Geschichten verletzen. Es
gibt einige Musiker, die ich gerne kennen würde
und im besonderen eine, die nicht Geri Hallywell ist,
daher denke ich, daß es möglich sein kann es zu
arrangieren, aber... ich habe nicht die Nerven ihren
Namen zu sagen, so, wie kann ich sie fragen mich
zu treffen?!? Dann... sie ist keine Italienerin und
ich wäre gezwungen in Englisch zu sprechen, was
für gewöhnlich eine schreckliche Verwirrung
macht ... BRRRR, NEIN, NEIN, WAS FÜR EIN
ALBTRAUM!!! Vielleicht eines Tages... der
richtige Tag. Ich bin sicher er wird kommen ... auf
irgendeinem Weg.
DH: Wie wichtig ist Internet für Dich? (und für
Kirlian Camera?)
KC: Nicht so sehr, um ehrlich zu sein. Am Anfang
war ich komplett anderer Ansicht diesbezüglich,
und sah das Verschicken von handgeschriebenen
Briefen oder Faxen als ein tolle Leistung an. Nun
... ich weiß nicht. Da gibt es etwas so trauriges,
in der "blauen Welt" des Internet. Traurig ...
sehr regnerisch, schwierig zu sagen, etwas wie
ein leerer und nebeliger Raum in einer kleinen
Geisterstadt.
DH: Was denkst Du über Leute die CDs kopieren?
Ist das ein Problem für Eure Existenz oder als
Musiker? (Die Anzahl verkaufter Platten nimmt
ab, sodaß es weniger Geld gibt von dem Musiker
leben können?)
KC: Ich weiß nicht , was ich darüber denken soll...
Nun ich sage: Ich schätze es damit fortzufahren in
Geschäft gehen zu können und nach meinen
Sachen zu schaun. Viel stimulierender und ...
farbiger.
DH: Einige letzte Worte? Viele Dank für Deine
Antworten!!!
KC: Nein, nichts hinzuzufügen, nur danke für
Deine Zeit.
Dt. Übersetzung: Andreas Ohle
Interview: Michael Strohschein