Lee Hazlewood verabschiedet sich mit dem Album "Cake or Death" (Sony BMG) von der Öffentlichkeit. Der amerikanische Sänger und Songwriter hat die Platte als seinen "Schwanengesang" bezeichnet. Geboten werden neue Stücke und Neuinterpretationen einiger seiner Hits. Dabei hat Hazlewood auf einen All-Star-Tribut-Auflauf verzichtet und stattdessen lieber mit Freunden und für ihn interessanten Kollegen (unter ihnen Bela von den Ärzten) gearbeitet.
Hazlewood ist am 9. Juli 1929 in Mannford (US-Bundesstaat Oklahoma) geboren. Vor allem als Produzent setzte der Sohn eines Ölarbeiters in den Sechzigern Meilensteine in der Pop-Musik, seine Duette mit Nancy Sinatra genießen Kultstatus. Hazlewood experimentierte früh mit Echomaschinen und Verzerrern und schreckte auch vor wuchtigen Streicherarrangements nicht zurück - zu hören etwa im legendären "Some Velvet Morning" (überarbeitet auf "Cake or Death").
Langer Lauf
Seine musikalische Karriere begann der Korea-Kriegsveteran als Disc-Jockey in Phoenix. Erste Sporen verdiente er sich als Produzent für Duane Eddy, für den er unter anderem den Instrumental-Klassiker "Rebel Rouser" schrieb. Hazlewoood-Nummern interpretierte auch Dean Martin - die bekannteste dürfte der berüchtigte Ohrwurm "Houston" sein. Am fruchtbarsten war die Zusammenarbeit mit Nancy Sinatra, der Hazlewood einen Hit versprach.
"These Boots Are Made For Walking" ging 1968 prompt um die Welt. Dabei hatte Hazlewood Bedenken, die Nummer einer Vertreterin des weiblichen Geschlechts anzuvertrauen. "Hör auf, ein Baby zu sein! Du bist keine Jungfrau mehr! Das ist ein Song für die Truck-Fahrer! Beiß einfach die Worte!" lauteten angeblich seine Ermahnungen. Auf "Cake or Death" ist eine düstere Fassung des Evergreens zu hören (ohne Nancy).
Anfang der siebziger Jahren wanderte Lee Hazlewood nach Schweden aus, wo er einige bemerkenswerte Soloalben aufnahm. "Cowboy in Sweden" enthält etwa Passagen, die in ihrer atmosphärischen Düsternis an den "Finsterling" Nick Cave gemahnen. Hazlewood'scher Herzschmerz enthält allerdings stets einen Schuß Ironie.
1995, als Lee Hazlewood nach mehr als 20-jähriger Absenz vom Showgeschäft mit Nancy Sinatra durch die Staaten tourte, wunderte er sich über Zwanzigjährige, die ihm ergriffen zujubelten. Ausgerechnet der "Sonic Youth"-Drummer Steve Shelley hatte damit begonnen, Hazlewoods vergriffenes Oeuvre wiederzuveröffentlichen. Nun will sich Hazlewood wieder zurückziehen. (APA/AP)
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