cover front

Rozz Williams weilt seit 1998 nicht mehr unter uns, und während jüngere Schwarzgewandete schon gar nichts mehr mit diesem Namen verbinden können, wird er von den älteren in der Szene wie kaum ein anderer Künstler vermisst.

Posthum gab es zahlreiche Veröffentlichungen, die meisten davon aus dem Fundus von Premature Ejaculation-Demoaufnahmen (einige davon wurden auch hier besprochen), einige Reissues von Christian Death- oder sonstigem Material, und einige Liveaufnahmen.

Ende 2013 wurde dann "Sleeping Dogs" angekündigt, in verschiedenen Auflagen und Sammlereditionen, mit einigen geläufigen, aber auch so manchem unbekanntem Liedtitel.
Man war also sehr gespannt, was da geliefert wurde.

Nach langem Warten traf das Doppelalbum in hübschem blau-schwarzen Vinyl bei mir ein, und ich war ziemlich aufgeregt - ich bin, wie man vielleicht weiß, ein sehr großer Fan von Rozz Williams.

Nun ja, es stellte sich also heraus, bei dem Album handelt es sich wieder um eine Zusammenstellung verschiedener Liveaufnahmen - viele davon in nicht gerade berauschender Soundqualität, und insgesamt, bis auf ein paar Ausnahmen, Lieder, die wohl nicht ohne Grund auf keinem Studioalbum zu finden sind.

Man könnte manche Stücke, wie etwa "Moonage Daydream", eine Bowie-Coverversion, fast schon als Versuch der Demontage des vielverehrten Künstlers sehen. Auch "Raw Power", die Stooges/Iggy Pop-Coverversion, klingt erbärmlich.

Die Aufnahmen stammen aus der Zeit von 1993 - 1997, von denen jene aus Leipzig 1994 noch die besten sind, also die ersten 6 Lieder, inklusive "Time", einer weitere Bowie-Coverversion, die es zwar in weitaus schönerer Fassung auf dem Bowie-Tribute-Sampler "Goth Oddity 2000" zu hören gibt, aber hier auch ganz okay ist.

"Nostalgia" ist eine frühe Version von "A World Apart", das auf "Dream Home Heartache" mit Gitane Demone veröffentlicht wurde, in wesentlich rockigerer Version - so wie das ganze Album auch eher nach Shadow Project klingt... meiner Meinung nach sind das auch eher Shadow Project-Liveaufnahmen, aber so ganz sicher bin ich mir da nicht. In bester Verfassung war Williams auf jeden Fall nicht.

Sehr ausführlich mit solchen Informationen ist das Gatefold-Cover leider auch nicht - zwar werden drei Nummern richtig den tatsächlichen Komponisten zugeordnet, ansonsten wird alles Rozz Williams zugeschrieben - was schlichtweg nicht stimmt. "Kill Your Sons" beispielsweise ist natürlich eine Lou Reed-Coverversion, "Dodo" eine weitere Bowie-Nummer.

"Flowers" ist eine weitere interessante Version eines Stücks von "Dream Home Heartache", mit leicht geänderten Lyrics, und ebenfalls mit Gitarre, Schlagzeug und Bass in einer wesentlich heftigeren Weise gespielt.

"Hold Me Down" kann ich nicht wirklich zuordnen, "The Doll" hat zwar wieder Textstellen von "A World Apart", ist aber sonst eher auch den Live-Nummern zuzuordnen, die noch nicht wirklich fertig arrangiert wurden.

Ein paar nette, aber großteils schon bekannte Fotos von Rozz Williams runden das Cover-Artwork ab, das aber leider insgesamt recht billig rüberkommt.

Ich hätte mir wirklich mehr erwartet. Für Rozz Williams-Fans ist das Album zwar empfehlenswert, vor allem für jene, die sonst kaum Live-Aufnahmen haben - trotzdem halte ich vor allem den Preis für die Vinyl-Ausgabe für hoffnungslos übertrieben, zumal die Aufnahmequalität einiger Lieder maximal für mp3 ausreichen würde.

Trackliste

  1. Time
  2. Nostalgia
  3. Bruised
  4. Dodo
  5. Kill Your Sons
  6. Flowers
  7. Hold Me Down
  8. The Doll
  9. World Inside
  10. Hall Of Mirrors
  11. 2nd Step
  12. Sunken Rex
  13. Moonage Daydream
  14. Raw Power
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