Dreieinhalb Jahre haben L´Âme Immortelle (nach gern genutzter anfänglicher Dauerbespielung) auf ihren Touren kein Konzert mehr in Wien gespielt. Nachdem sich die Band nach und nach einem Wandel unterzog und schließlich bei dem Major-Label BMG Ariola Austria unterschrieb, schien es wohl wieder an der Zeit zu sein, mit dem neuen Album „Gezeiten“ im Gepäck auch Wien (Tourstart von 16 Konzerten) wieder zu beglücken.

Ein aktueller Videoclip in den Top20 und ein gefeiertes neues Album taten ihr übriges um sogar einen Boom in den heimischen Massenmedien auszulösen.

Doch zuerst zur Vorgruppe, Samsas Traum, die exklusiv für das Wien Konzert gewonnen werden konnten. (den Rest der Tour werden LAI von den hier doch weniger populären "Chamber" begleitet). Eine Entscheidung, die sich als kluger Schachzug erwies: Zahlreiche Fans schienen extra für Samsas Traum gekommen zu sein. Die Band hatte keine Probleme das Publikum, das sich bei erst zweidrittel voller Halle schon vor der Bühne konzentrierte, von Beginn an zu begeistern. Traurigerweise - und völlig ungerechtfertigt - wurde der Ton von Samsas Traum auf die Brillanz eines Kurzwellenradios abgemischt. Da fiel selbst die etwas "angeschlagene Stimme" des Sängers Alexander Kaschte nicht mehr ins Gewicht. Nach 45 Minuten Spielzeit gab's mit dem Toten Hosen Klassiker "Hier kommt Alex" sogar noch eine begeistert herbeigerufene Zugabe.

20 Minuten später war die Bühne vergrößert worden - zusätzliche Scheinwerfer, blass anmutende Schaufensterpuppen sowie ein mächtiges Drum Set von Markus Adamer wurden aufgebaut. Zusammen mit den andern Live Musikern Ashley Dayour (E-Gitarre), Francis (Bass) - beide aus „Whispers In The Shadows“ abkommandiert - und Martin Parzer (Keyboard) sowie dem Kern der Band Thomas Rainer und Sonja Kraushofer trat die Formation in einem zeremoniell aufgeführten Intro auf die Bühne.

Schon die Zusammenstellung der Instrumente ließ erahnen, dass vom ehemaligem "Electro-Goth" nicht mehr viel übrig geblieben war: Es präsentierte sich vielmehr ein hochwertiges "Gothic-Rock Ensemble mit Elektronischen Einflüssen". Mit dem neuen Stil kam auch gleich das "neue" Publikum mit, das die Szene mit geschätzten 450 Besuchern inzwischen voll gefüllt hatte. Fans der ersten Stunde, die diesem Wandel nichts abgewinnen konnten, verzichteten hingegen eher darauf das Konzert zu besuchen und zündeten vielleicht Zuhause bei „In einer Zukunft aus Tränen und Stahl“ eine Kerze an. Der relativ hohe Altersdurchschnitt im Publikum wurde nicht zuletzt durch die mitgekommenen Begleitpersonen erreicht.

Die Anlage macht inzwischen ordentlich Druck, zahlreiche gut eingesetzte Scheinwerfer sowie Nebel sorgen für eine ansprechende Atmosphäre. Die Auswahl der Stücke (Setlist) hat klarerweise ihren Schwerpunkt bei den Songs des aktuellen Albums, wobei auch ältere Lieder für die Aufführung auf diesen Stil zurechtschnitzt wurden. Neben kleineren Showeinlagen wie "Sonja bekommt die Augen verbunden und singt ein Lied blind" wurde auf übertriebenes Klischee-Theater glücklicherweise verzichtet - Das Auge wurde mit einer klassischen Bühnenperformance bei Laune gehalten. Während Sonja dabei den sinnlichen Teil von ihrer großartigen Stimme vorgegeben bekommt agiert Thomas (vorbei ist's mit bös-verzerrtem Geschrei) als Einpeitscher für das Publikum. Aber auch die Gast Musiker leisten gute Arbeit und überzeugen sowohl musikalisch als auch mit ihrer Show auf ganzer Linie.

Das anwesende Publikum lässt sich von dieser Kraft mitreißen und dankt die Mischung aus Rockigen Nummern mit wohldosierten eingestreuten Balladen mit reichlich Applaus. Hinten wo sich etwas Platz gebildet hat wird getanzt während im Gedränge um die Bühne der Platz gerade einmal reicht um die Hände in die Höhe zu strecken.

Unter Trommelwirbel erfolgt nach 80 Minuten ein Abmarsch von der Bühne. Dem tosenden Publikum gelingt es dann aber nur noch für einen Song die Band nochmals auf die Bühne zu holen. "Live will never be the same" wird als Schmankerl in einer wunderbaren Interpretation von Ashley statt Thomas gesungen. Danach wird es hell.