Das Incubate-Festival besteht bereits seit 2005 und hat sich dank der Vielseitigkeit des Line-ups viel Anerkennung verschafft. Zurecht bezeichnet das renommierte Magazin The Quietus das Festival als "one of Europe's best music and arts festivals". Ein Festivalbericht von lvl.

Gleich vorweg: Das Incubate Festival ist weder ein Gothic- noch ein Industrialfestival. Bei 300 Künstlern und 26 Locations kann man sich aber ein ganz schönes persönliches Programm zusammenstellen.
Den Anlaß für meine Reise dorthin bildeten die Auftritte von Nurse With Wound, Chris & Cosey, Silver Apples, Caspar Brötzmann Massaker und Laibach.

Das Incubate findet seit 2005 im beschaulichen Städtchen Tilburg, NL, statt und hat sich in den letzten Jahren von einem 2-Tage Festival zu einem Großereignis entwickelt das eine Woche dauert. Neben Musikkonzerten gibt es auch Theaterstücke, Filme und Ausstellungen zu sehen. Vielleicht am besten vergleichbar mit dem Donaufestival in Krems, nur wesentlich größer. Ich habe dem ganzen von Freitag bis Sonntag beigewohnt.


Am Freitag angekommen gings gleich mal zur großen Eventhalle 013 und dem Konzert von Nurse With Wound.
Dort warteten bereits einige Fans von Fields of the Nephilim, die danach dran waren. NWW spielten im großen Saal und nebst Steven Stapleton, Colin Potter und Andrew Liles waren auch zwei Gastmusiker dabei. Es ging relativ leise los (für meinen Geschmack und diesen Musikstil zu leise), steigerte sich gegen Konzertmitte und –ende aber noch. Sie spielten eine Stunde und auch mit einer Zugabe wurden wir beglückt. Nicht ganz zum Gefallen der Nephilim-Fans die sich schon in der ersten Reihe drängten…

Als nächstes schaute ich bei Black Dice vorbei, die demnächst auch in Wien spielen (30. September, Arena). Ja, das war laut und fetzte ordentlich.

Fast pünktlich um 21:00 Uhr zogen die ersten Nebelschwaden von Fields of the Nephilim auf die Hauptbühne und nach einem langen Intro betrat auch Carl McCoy dieselbe. Das Ende konnte ich mir nicht mehr ansehen, weil um 22:15 bereits Chris & Cosey begannen.

Chris & Cosey: was soll ich sagen, für mich das beste Konzert des Festivals. Der kleine Saal vom 013 war vollgepackt und schnell stieg auch die Temperatur entsprechend an. Die Musik war aber derart mitreißend, dass ich gerne freiwillig noch 3 Stunden darin verbracht hätte. Leider spielten sie nur eine Stunde, aber das dafür umso intensiver. Wer sie irgendwo sehen kann, gehet hin!  

 

 

Samstags besuchte ich die Konzerte von The KVB (am Samstag 22. September im Fluc zu sehen – siehe Termine) und Die Jungen, dem Nebenprojekt von Klaus von Barrel von The KVB.  Beides fand im kleinen Café de Plaats in sehr gemütlicher Atmosphäre statt.

Dazwischen konnte ich mir den Auftritt von Damo Suzuki ansehen, der an drei Abenden beim Festival jeweils mit anderen Musikern spielte, die sich erst kurz zuvor das erste Mal trafen.
Dann noch ein kurzer Abstecher zu Charles Hayward, der mir aber nur Kopfschmerzen bereitete, und danach wieder zum 013 wo Consumer Electronics (leider versäumt) und später Con-Dom (absichtlich versäumt) spielten.

Am Sonntag hieß es schon früh dort sein, denn Silver Apples (oder heißt es mittlerweile nur noch Silver Apple?) spielten bereits um 15:30. Der fast 70-jährige Simeon Coxe spielte alte und neue Lieder und war nach 45 Minuten leider zu keiner Zugabe zu bewegen. Seine klare Stimme hob sich wie in jungen Jahren über das Synthesizer- und Oszillatoren-Gewummere. Äußerst sympathisch.

In einem anderen Saal lief bereits das Konzert von UV PØP. Eine Band aus den 80ern die mit „mixing new wave influences with industrial and darkwave” angekündigt wurden. Wo da der Industrial war, blieb mir aber leider verschlossen…

Nach einer kurzen Pause in einem der unzähligen Cafès in Tilburg machten wir uns auf zum Paradox Club wo das Caspar Brötzmann Massaker in entsprechender Lautstärke, und das bei einem Sitzkonzert, loslegte. Sie spielten vier Nummern in gut einer Stunde. Musik wie ein Orgasmus. Großartig.

Danach hieß es schnell zurück zum 013 denn dort begannen Laibach relativ pünktlich. Sie spielten ein 90-Minuten Set, fast nur Cover-Versionen, eine ähnliche Setlist wie ein paar Tage zuvor in Wien. Hat mir auf jeden Fall besser gefallen als das Konzert vom Mai 2011 in der Szene Wien. Lag vielleicht auch daran, dass die Halle des 013 um einiges größer ist als in der Szene und die Bühnenshow dadurch mehr beeindrucken konnte.

Das Abschlußkonzert kam von den Buzzcocks. Nicht ganz mein Musikstil, aber über „What do I get“, hab sogar ich mich gefreut.

Alles in allem, eine gelungene Festivalreise und es lohnt sich vermutlich das Line-Up des nächsten Jahres zu durchforsten.

Eure lvl

http://incubate.org/2012/artists/popularity