Es gibt sie noch, die Tage an denen man durch Zufall im Internet über künstlerische Werke stolpert, die einen einfach aus dem Stuhl hauen. Die intensiv dunkel magisch/ okkulten Bilder von Krist Mort sprechen für sich. Aber dennoch hatte ich die eine oder andere Frage an die, meiner Meinung nach, zu Recht als Ausnahmetalent zu bezeichnende Oberösterreicherin.

Erzähle uns zu Beginn bitte etwas über deine Inspirationen, was treibt dich an? 

Der unersättliche Drang und Antrieb etwas zu schaffen, zu kreieren, ist, was mich immer wieder erst dazu bringt, überhaupt zur Kamera zu greifen. Diesen Drang kann vieles auslösen - Musik, Bücher oder auch nur einzelne Zitate, Plätze mit besonderer Energie, ein bestimmtes Wetter oder einfach meine derzeitige Stimmung...  

Wie bist du zur Fotografie gekommen, hast du eine Ausbildung gemacht oder bist du Autodidaktin? 

Eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Fotografie habe ich immer schon abgelehnt. Wenn überhaupt, dann würde es mir nur sämtlichen Reiz, und die Dedikation zu dem, was ich mache, nehmen.
Das Wichtigste am Lernprozess war für mich immer schon der Alleingang.

Wie lange arbeitest du bereits an dem Gesamtkunstwerk Krist Mort?  

Dem Ganzen Form gegeben habe ich vor gut einem Jahr.  

Deine Bilder haben eine stark rituell gefärbte Ausstrahlung, wie ist deine Arbeitsweise im Bezug darauf. Würdest du sagen du fotografierst Rituale?

Ein Ritual ist etwas intimes und diskretes. Für mich hat so was sehr viel mit Einheit zu tun - sei es die Einheit von Körper und Geist, Mensch und Natur oder Chaos und Ordnung...
Meine Bilder sollen diese Einheit, die Intimität und die Kraft, die während eines Rituals herrschen, widerspiegeln. Während des eigentlichen Ablaufs eines Rituals ist eine Kamera allerdings das Letzte, das man bei sich braucht.  

Auf einem deiner Bilder ist ein Buch mit dem unicorsalem Hexagramm Aleister Crowley’s zu sehen. Wie stehst du zu Magie und Okkultismus im Allgemeinen, ist das für dich einfach ein reizvolles und lohnendes Thema, oder steckt da deiner Ansicht nach mehr dahinter?

Ich kann Crowley's Literatur viel abgewinnen und ganz im Allgemeinen sind okkulte Schriften für mich sehr einnehmend - ich nutze solche Bücher gerne als Anregung für eigene Denkanstöße. Nicht aber um danach zu praktizieren oder sie als Lehrschriften zu verwenden. Ich identifiziere mich weder mit Thelema noch bin ich in irgendeinem anderen Kult oder einer religiösen Bewegung involviert. Meine Praktiken sowie meine Denkweise, Weltanschauung und Darstellungsweise meiner Bilder sind gänzlich das Ergebnis von Meditation.  

Dein Leitspruch ist „Nature is Fetish“. Gehe mal bitte etwas näher darauf ein. Was bedeutet dir Natur? Was ist Natur? 

Natur umgibt uns und Natur ist in uns. Umso mehr wir uns also mit ihr befassen, umso mehr befassen wir uns mit uns selbst.
Natur wird immer überlegen sein. Und so sollten auch wir lernen, uns selbst überlegen zu sein.  

Welches Equipment verwendest du? Manches sieht sehr analog aus oder liege ich da vollkommen falsch?

Fotografie ist so viel mehr als nur das Manifestieren von Bestehendem. Etwas darzustellen - Atmosphäre einzufangen - einen Moment bildlich zu erschaffen und in der Sekunde, in der man den Auslöser drückt, wieder zu zerstören.
Es öffnet mir die Möglichkeit, mit jeglichen visuellen Eindrücken zu experimentieren. Zu vermischen und verschieben und Szenen zu kreieren, wie es sonst vielleicht nur in meinem Kopf möglich ist. Das macht es für mich sehr reizvoll, mit verschiedensten Geräten und Techniken zu arbeiten und diese zu vermischen. Keines meiner Bilder ist also ausschließlich digital oder ausschließlich analog entstanden. 

Im Gegensatz zu vielen aktuell bekannten Fotografen die in eine ähnliche, ich sag mal etwas düster / morbide Kerbe schlagen, wirken deine Bilder sehr ehrlich und direkt. Man hat nie das Gefühl ein glatt gebügeltes Photoshop Un-Ding vor sich zu haben. Wie viel Nachbearbeitung ist für dich als Fotografin noch okay. Oder ist das Einzige was für dich zählt das Endprodukt?  Wie schaffst du es dem Bild seine Ehrlichkeit nicht zu rauben?

Es ist schwer das zu beantworten... Und ich denke, es hat wohl auch sehr viel mit eigenen Präferenzen zu tun. Ich mache, was ich selbst gut finde. Ich fotografiere, was ich wertvoll genug finde, es festzuhalten. Und ich bearbeite meine Bilder soweit, wie ich es für angebracht halte. Sehr oft macht schon die Mischung des digitalen und analogen Abzugs eines Fotos viel aus und das Editieren fällt so gut wie weg.
Andere Bilder eignen sich mehr für besondere Nachbearbeitung.
"Ehrlich" ist ein Foto für mich dann, wenn ich das Gefühl habe, genau das Ergebnis vor mir zu haben, dass ich im Moment des Fotografierens auch gesehen habe.
Sei es nun geistig oder direkt vor der Linse.  

Deine Bilder sind allesamt Serien zu einem speziellena Them. Mich würden die Hintergründe zu einigen Interessieren. Erzähl' uns z.B. mal etwas über die ARBITERS OF ETERNAL ENIGMA Arbeit, was war die Idee dahinter und wie wurde sie umgesetzt?  

Einer der vielen Reize, die die Fotografie für mich hat, ist, das es keinerlei Worte bedarf, um eine Geschichte zu erzählen.
Man sieht ein einzelnes Bild - und kann alles was man möchte in es hinein interpretieren.
Ich lasse Hintergründe oder etwaige Gedanken, die ich mir beim Umsetzen einer Fotostrecke mache, also gerne im Dunkel.

zwei Bilder aus der "ARBITERS OF ETERNAL ENIGMA" Serie

 

Wie bereitest du dich auf ein Shooting vor, entsteht vieles aus dem Moment heraus, oder gibt es so was wie ein „Storyboard“?  Inwiefern bestimmt die Location das Shooting? Oder ist es eher umgekehrt?  

Eine Aversion gegen jegliche Form von Planung war bei mir immer schon vorhanden. Und somit plane ich auch keine Fotostrecken. Eine Vorstellung, eine ungefähre Idee und ein Hauptthema, dass ich umfassen möchte - das ist bei jedem meiner Projekte vorhanden, ja. Alles andere geschieht spontan und ist abhängig von dem, wie mich der jeweilige Tag oder die Location beeinflusst.  

Meistens bist du ja Fotografin und Model zu gleich. Was sind die Vor und Nachteile dieser Arbeitsweise?

Der Hauptgrund, warum ich in den meisten meiner Bilder selbst zu sehen bin ist einfach: wann immer ich eine Idee oder den Drang habe, zu fotografieren und etwas umzusetzen - kann ich es tun. Es sind nicht zwingend immer gute Ergebnisse, oder Bilder, die ich letztendlich für mein Portfolio verwende, aber dennoch sind es Werke, die vielleicht für spätere, größere Projekte als Anhaltspunkt verwendet werden können. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich absolut kein Talent oder die Geduld dazu habe, Models vor der Kamera zu erklären wie genau sie sich verhalten sollen. Es ist viel einfacher, intime und spirituelle Momente festzuhalten, wenn man ganz für sich selbst ist. Der große Nachteil ist klar: der Countdown zum Selbstauslöser ist jedes Mal verdammt knapp.

Zurzeit arbeitest du an Bildern für ein eigenes Tarot, eine hervorragende Idee.  Wird es dazu ein Tarot-Set geben? Wenn ja, wann und wo wird dieses zu bestellen sein?

Ein vollständiges Tarot-Set, mit den kleinen als auch den großen Arkana, wird es Anfang September auf Anfrage in meinem bigcartel Shop zu kaufen geben.  

Was spricht dich an, welche Musik, Filme, Bücher würdest du zu deinen liebsten zählen?

The Wicker Man und The Seventh Seal sind definitiv zwei meiner Film-Favoriten. Oder einfach alles von Stanley Kubrick.
Bei Büchern wird es schon schwieriger - generell bevorzuge ich Sachliteratur und befasse mich nur wenig mit Belletristik. Das Kybalion, die hinduistischen Veden, Upanishaden, Mahabharata und Bhagavadgita sowie viele taoistische Schriften sind nur einige wenige Bücher, die ich immer wieder zur Hand nehme. Meine momentanen Musik-Favoriten sind Vishudha Kali und Odz Manouk.  

Und zum Schluss noch die obligatorische Frage nach zukünftigen Projekten.

Ich stecke mir meine Ziele gerne (zu) hoch - somit wären bewegt-Bilder /sprich, Film eine nur allzu große Verlockung... 

Vielen Dank für das Interview!

viele weitere bilder unter:

http://www.kristmort.com
http://www.facebook.com/kristmortvisions